Giora Feidman & Gitanes Blondes

“Back to the Roots”

Dienstag, 10. Juli um 19:30 Uhr im Kulturzentrum Mureck

Lorberplatz 1, 8480 Mureck

Tageskarte: € 28,00
Wochenpass: €  28,00

 

Auch nach seinem 80. Geburtstag spielt Giora mit einem Feuer, als stünde er noch ganz am Anfang seiner musikalischen Welteroberung. Beweisen muss er zwar schon lange nichts mehr, aber er tut’s dennoch jedes Mal aufs Neue: Giora Feidman ist und bleibt eine Klasse für sich.

„Lang lebe Giora, seine Klarinette und seine Musik! Er schlägt Brücken zwischen Generationen, Kulturen und Schichten, und er tut es mit vollendeter Kunst!“ schrieb Leonard Bernstein einst über Giora Feidman. Sein enthusiastisches Urteil besitzt bis heute unverändert Gültigkeit.

In der Zusammenarbeit mit dem Münchner Ensemble Gitanes Blondes geht Giora Feidman einen neuen Weg. Waren seine bisherigen Klezmer-Besetzungen von ihm selbst zusammengestellte Gruppen, die seinen Klangvorstellungen folgten, so trifft er mit den Gitanes Blondes erstmals auf eine gewachsene Besetzung, die ihren ganz eigenen Sound mitbringt, – für Giora Feidman ohne jede Frage die beste Klezmer-Gruppe, die er bisher kennengelernt hat. Gitanes Blondes wurde 1999 von dem Violinisten Mario Korunic gegründet. Korunic, Konstantin Ischenko (Akkordeon), Christoph Peters (Gitarre) und Simon Ackermann (Kontrabass), alle klassisch ausgebildet und vielfach ausgezeichnet, vereint die Lust, sich über die Klassik hinaus andern Musikrichtungen und -stilen zu widmen und im Jazz, Klezmer und Balkan-Folk einen gemeinsamen Ausdruck zu finden. So haben sie sich als Ensemble längst etabliert, vier eigene CDs veröffentlicht und Höhepunkte auf manchem Festival gesetzt.

Wie wird es klingen, wenn der Grandseigneur der Klezmer-Musik auf die junge Klezmer-Generation trifft? Wenn sich seine Erfahrung von einem ganzen Leben auf der Konzertbühne mit der ungestümen und ungebremsten Spielfreude von vier jungen Virtuosen unter einem Hut finden sollen? Musikalisch sprachen sie bereits dieselbe Sprache, keine Frage. Aber es galt noch, das richtige Repertoire zusammenzustellen. Die traditionellen Klezmer-Weisen standen als gemeinsamer Fundus bereit, doch im Verständnis von Giora Feidman bleibt die Klezmer-Kultur nur lebendig, wenn sie auch Werke mit einbezieht, die heute entstehen. Und welch schönere Chance könnte sich für solch zeitgenössischen Klezmer bieten als der Dialog zwischen verschiedenen Generationen?

Seit Giora Feidman dem Klezmer wieder Gehör verschaffte, haben zahlreiche Komponisten aus aller Welt neue Stücke in bewusster Fortsetzung und Weiterentwicklung der alten Tradition geschrieben, zum Teil sogar direkt für den Meister komponiert. Aus dieser Vielfalt haben er und die Musiker von Gitanes Blondes sich gerne bedient. „Wie gefällt euch dieses Stück“ fragte Giora bei gemeinsamen Proben, und die Gruppe antwortete: „Wenn es eine Melodie ist, die wir immer und immer wieder spielen wollen, dann ist es eine gute Melodie“. „Frylachs“, fröhliche Lieder, sollten im Vordergrund stehen, und in der Tat wurde eine ausgelassene, sogar tanzbare Sammlung daraus. Mal klingt es nach dem fernen Indien, mal nach dem Nahen Osten, mal nach chassidischer Mystik und dann wieder – weltlich lebensnah – nach dem Shetl in Osteuropa. Eine abwechslungsreiche Palette temperamentvoller Farbigkeit, die sofort ansteckt und in Herz und Bein geht.

 

 

Giora Feidman
Klarinette

Ein lebendiges Stück Musikgeschichte – und mehr als 50 Jahre nachdem er mit seiner Klarinette erstmals in die Welt hinauszog, erscheint dieses Attribut nicht übertrieben. Als einer der wichtigsten Interpreten zeitgenössischer Musik hat sich Giora Feidman über die Jahrzehnte zu einem Phänomen entwickelt, ist Künstler, Entdecker und Ereignis, ein rastloser Botschafter mit einem Spiel von unverminderter Anziehungskraft. Kaum beschreibbar, was er mit seiner Klarinette auf der Bühne anstellt: wie sie lacht und weint und erzählt, die Zuhörer packt und immer wieder aufs neue verblüfft. Und immer noch hält Giora Feidman Ausschau nach Möglichkeiten, seine Musik wieder und wieder im neuen Gewand zu präsentieren. Sein Anspruch auf Vielseitigkeit, seine eigenen innovativen Interpretationen des Tango, Jazz, der Klassik und des Klezmer fügen sich zu einem großen und großartigen Gesamtwerk zusammen. Die beeindruckende Reichweite seiner musikalischen Aktivitäten spiegelt sich in seinen aktuellen Projekten wieder: Tourneen mit seinem Ensemble, zahlreiche solistische Auftritte, sowie die Mitwirkung an verschiedenen Film- Theater- und Musikprojekten machen deutlich, dass Giora Feidman längst zu einem Universalkünstler geworden ist, ausgezeichnet durch einen unverwechselbaren Personalstil, geprägt durch seine kulturellen, religiösen und musikalischen Wurzeln.
1936 als Sohn jüdischer Einwanderer in Argentinien geboren, wird seine Jugend durch die spezifisch jüdische Musiktradition des Klezmer geprägt. Nach einer klassischen Musikausbildung wird Giora Feidman mit 18 Jahren in das Symphonie- und Opernorchester des Teatro Colon in Buenos Aires aufgenommen. Zwei Jahre später folgt die Berufung als jüngster Klarinettist in das Israel Philharmonic Orchestra. In den fast
zwei Jahrzehnten seiner Orchesterzugehörigkeit arbeitet er mit allen bedeutenden Dirigenten seiner Zeit. Giora Feidman entwickelt in dieser Zeit sein Verständnis von Musik als die „Sprache der innersten Seele“, als ein Mittel der Verständigung, das alle Grenzen überwindet.
Anfang der siebziger Jahre verläßt Feidman das Israel Philharmonic Orchestra und startet mit seiner musikalischen Botschaft die weltweite Renaissance der alten Klezmer-Tradition, bereichert um die vielfältigen Stile klassischer und moderner Musik. Von New York aus, wo er als „King of Klezmer“ gefeiert wird, ebnet er dem „jewish soul“ den Weg auf die klassische Konzertbühne und schenkt seinen Zuhörern nicht nur eine sehr persönliche Interpretation des Klezmers, sondern eine grenzenlose Hommage an das Leben. Zugleich bleibt seine musikalische Entwicklung in ständigem Fluß. Zusammen mit seinem Quartett, das ihn bei seinen weltweiten Gastspielen begleitet, schlägt Giora Feidman neue Richtungen ein: Rückgreifend auf die Wurzeln seiner argentinischen Heimat, wird der Tango ein wesentliches Element seiner Musik.
Mit dem Projekte „Von Klezmer zu Tango“ baut der Klarinettist eine Brücke zwischen den Kulturen, eine ebenso spannende wie faszinierende Symbiose, die aus Feidmans eigenem biographischen Hintergrund erwächst. Im Duett mit Matthias Eisenberg, der sich als Gewandhausorganist ebenso wie als internationaler Konzertinterpret einen Namen machte, gibt Feidman mit dem Programm „Zwei Religionen eine Sprache – Musik“ deutschlandweit Kirchenkonzerte. Hinter dem Titel verbirgt sich ein Programm, das immer wieder überrascht und Grenzen sprengt und scheinbar Konträres miteinander verschmilzt, jüdische Klänge und christliche Kirchenkompositionen gehen Hand in Hand.
Parallel dazu bleibt Giora Feidman seinen musikalischen Anfängen treu: Auftritte mit zahlreichen namhaften Orchestern und Ensembles wie dem Kronos Quartett oder der Polnischen Kammerphilharmonie kennzeichnen seinen Weg ebenso wie CD-Produktionen mit den Berliner Symphonikern, dem Philharmonischen Kammerorchester München u. a. Neben einem Gastauftritt in der Fernsehreihe „Erstklassisch“ mit Senta Berger folgt Giora Feidman im November 2001 einer Einladung des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, um als Solist im Rahmen der Reihe „musica viva“ an der Uraufführung eines Werkes von Magret Wolf mitzuwirken. Eine Tournee mit dem Münchner Rundfunkorchester verbindet er im Juli 2002 mit einem Ereignis, auf das die Musikwelt lange gewartet hat: Giora Feidman spielt Mozarts Klarinettenkonzert.
Neben dem Konzertpodium steht die Bühne: In Deutschland beginnt der außergewöhnliche Erfolg Feidmans 1984 mit seinem Auftritt in Peter Zadeks inzwischen legendären „Ghetto“-Inszenierung. Feidmans Talent, seiner Klarinette fast schauspielerische Fähigkeiten zu verleihen, setzt sich 1994 in den Opern „Der Rattenfänger“ (Dortmund) und „Lilith“ (Bayreuth 1996) sowie dem Theaterstück „Meschugge vor Hoffnung“ in den Hamburger Kammerspielen(1993) fort.
Internationale Filmprojekte erweitern den musikalischen Wirkungskreis. Anfang der 90er Jahre folgt Giora Feidman einer Einladung Steven Spielbergs und spielt zusammen mit Itzhak Perlman die mit einem Oscar ausgezeichnete Musik für den Film „Schindlers Liste“ ein. In dem erfolgreichen Kinofilm „Jenseits der Stille“ hat Feidman ebenso einen zentralen Gastauftritt wie in dem Film über das Leben der „Comedian Harmonists“ unter
der Regie von Joseph Vilsmaier. Darüber hinaus präsentiert sich der Künstler im Rahmen verschiedenster Projekte. Hierzu gehören u .a. die Vertonung von Paul Wegners Stummfilmklassikers „Der Golem“ mit der Musik von Betty Oliveiero (Wien 1997), „Out of Silence“, ein Musik und Tanzprojekt mit Marcia Haydee und Jose Luis Sultan (Stuttgart 1998), „Nothing but Music“, das Klezmer Musical von Stephan Barbarino und Jan Linders (Luxemburg 2005), sowie „Dialog in Mozart“, eine Tanz- und Musik Performance mit international renommierten Tänzern und dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt (Stuttgart 2006).

Der Traum von der Umsetzung einer Musik jenseits aller Schranken ist für Giora Feidman längst Wirklichkeit geworden. Über das rein musikalische Erlebnis hinaus wurden seine Konzerte und Auftritte zum Medium eines neuen Dialogs. Bei der Feierstunde zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus bringt er im Januar 2000 mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker im Plenarsaal des Deutschen Bundestages die Komposition „Love“ der israelischen Malerin, Dichterin und Komponistin Ora Bat Chaim zur Uraufführung. 2001 wird er in Berlin aufgrund seiner besonderen Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden mit dem Großen Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Sein Auftritt beim Vigil anlässlich des Besuches von Pabst Benedikt XVI im Rahmen des Weltjugendtages 2005 faszinierte live mehr als 800.000 Zuhörern und Millionen an den Fernsehschirmen. Im gleichen Jahr wurde Feidman der Internationale Brückepreis der Stadt Görlitz für seinen Beitrag zur internationalen Verständigung verliehen.

Giora Feidmans Lebenswerk, dass sich darüber hinaus in 35 CD Veröffentlichungen ( 2 mit dem ECHO Klassik in Kategorie KLASSIK-OHNE-GRENZEN ausgezeichnet) wiederspiegelt, hat Ihn zum Botschafter einer Musik gemacht, die als verbindende Kraft und gemeinsame Sprache aller Menschen Brücken zwischen musikalischen Stielen, Kulturen und Religionen baut, die nur bei oberflächlicher Betrachtung verschieden sind.

 

 

Gitanes Blondes

Mario Korunic: Violine
Konstantin Ischenko: Akkordeon
Christoph Peters: Gitarre
Simon Ackermann: Kontrabass

Eine Band, die auch ohne Superstar, Giora Feidman, nicht nur ein Konzert wert ist.

Wer bei Gitanes Blondes an französische Tabakware denkt, liegt völlig falsch. Die vier Münchner Musiker entführen die Zuhörer in ihrem Programm in die Welt des Balkan und der Klezmermusik, gemischt mit viel irischem, russischem und südamerikanischem Liedgut. 

Auch Meisterwerke der klassischen Musik, augenzwinkernd frisch interpretiert, erstrahlen bei Gitanes Blondes in neuem Licht.

Notenständer? Notenblätter? Feste Arrangements? Fehlanzeige: Ein kurzer Blick, ein Wimpernschlag, schon fliegt das Tonmotiv von der Violine zum Akkordeon, Kontrabass und Gitarre fangen den wilden Rhythmus auf und treiben ihn voran.

Mal hoffnungsvoll melancholisch, mal überschäumend temperamentvoll und bei aller Virtuosität immer mit feinem Gespür für die Reinheit der Musik machen Gitanes Blondes einen Konzertbesuch zu einem nachhaltigen Erlebnis der Extraklasse.

1999 gegründet, setzten Gitanes Blondes mit ihrer mitreißenden Lust an Melodie und Gefühl schon manchen Höhepunkt auf zahlreichen Festivals im In- und Ausland.

Im Jahr 2014 stellten sie mit „Camel Dance“ ihre bereits fünfte CD vor.

Bei einer Kreuzfahrt auf der MS Europa ergab sich 2010 ein Konzert mit dem „King of Klezmer“ Giora Feidman. Die beiderseitige Begeisterung war so groß, dass unzählige Konzerte folgten. Darüber hinaus entstanden die CDs Giora Feidman & Gitanes Blondes „Very Klezmer“ (2012), und „Back to the Roots“ (2014).

 

Mehr Infos:
www.giorafeidman-online.com
www.gitanes-blondes.de
www.kunstduenger.st

 

Foto unten: ©Dana Stefanache




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